Gedenkveranstaltung für die Opfer des Faschismus

Sonntag, den 25. November 2012 (Totensonntag) |11.00 Uhr | Gedenkstätte des Hauptfriedhofs Karlsruhe | Treffpunkt: 10.45 Uhr

„Wenn wir am Totensonntag der Opfern des Faschismus gedenken, so steht dies auch in diesem Jahr unter dem leider bis heute nicht
obsolet gewordenen Motto: »Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!« Was aus historischer Verantwortung eine Selbstverständlichkeit sein sollte, scheint gerade in diesen Tagen unendlich weit weg.
Nie wieder Faschismus?
Wie sehr der Faschismus in Deutschland keimt und gedeiht, zeigen die grausamen, menschenverachtenden Verbrechen des NSU.
Jahrelangkonnten die Mitglieder des NSU, von Polizei und Geheimdiensten unbehelligt, mordend durchs Land ziehen – und das, obwohl den „Sicherheits“behörden sämtliche Informationen vorlagen, um die Täter dingfest zu machen.

Immer wieder wird von Unzulänglichkeiten bei der Weitergabe von Informationen geredet, von Daten und Ermittlungspannen. Doch die Quantität dieser „Pannen“ lässt auf die Qualität der Ermittler schließen. Entweder sind die deutschen „Sicherheits“behörden vollkommen unfähig oder sie wirken bewusst und systematisch mit faschistischen Kräften zusammen. Als Narr wird angesehen, wer letzteres vermutet. Jedoch: Die „Todesliste“, die 1994 in der Hetzschrift »Der Einblick« veröffentlicht wurde und den NSU-Morden zugrunde lag, wurde von einem mutmaßlichen V-Mann des bayerischen Verfassungsschutzes erstellt und publiziert.

Doch der NSU ist nur die Spitze des Eisbergs.

Auch dies ist hinlänglich bekannt: Bundesinnenminister Friedrich gab erst kürzlich bekannt, dass nach Angaben des Bundeskriminalamtes aktuell 110 Faschisten im Untergrund agieren. Der Vorsitzende des NSUErmittlungsausschusses im Bundestag, Sebastian Edathy (SPD) hierzu: „Wir haben noch mehrere tickende Zeitbomben im Land herumlaufen“.
Dessen ungeachtet haben deutsche „Sicherheits“behörden bis heute nichts anderes zu tun, als antifaschistischen Widerstand zu blockieren und zu kriminalisieren. Zuletzt beim Nazi-Aufmarsch in Göppingen, wo die Polizei mit martialischer Apparatur und unverhältnismäßig
großer Anzahl auftrat, mit Pfefferspray gegen friedlich demonstrierende Antifaschisten vorging und Dutzende von Demonstranten am Bahnhof einkesselte und gewaltsam daran hinderte, an der offiziell genehmigten Demonstration teilzunehmen.

Nie wieder Krieg?

Nicht nur der Faschismus keimt in Deutschland und gewinnt an Kraft. Das »Nie wieder Krieg«, das bis 1999 als Leitlinie bundesdeutscher
Außenpolitik galt, ging im Bombenhagel auf Belgrad und im Zivilistenmord des Oberst Klein am Kunduz unter.
Deutsche SoldatInnen nehmen an Kriegseinsätzen im Ausland unter der fadenscheinigen Begründung der Verteidigung nationalstaatlicher Interessen teil. Doch was als „Verteidigung“ deklariert wird, ist nichts anderes als ein aggressiver Angriff. So ist die Bundeswehr unter dem Deckmantel der Bündnispflicht längst von einer Verteidigungs- zu einer Angriffsarmee geworden.
Und die Stadt Karlsruhe ist unmittelbar daran beteiligt! Mit der Fregatte »Karlsruhe« hält die Stadt seit Jahrzehnten eine Patenschaft. Ob vor der libanesischen Küste, als Geleitschutz für US-Kriegsschiffe auf dem Weg in den Irak-Krieg im Rahmen der »Operation Enduring Freedom«, oder im Golf von Aden (EU-Operation »Atalanta«) – überall ist die »Karlsruhe« an Kriegseinsätzen
beteiligt.

Das Gedenken an die Opfer des Faschismus am diesjährigen Totensonntag hat somit nicht nur eine historische Dimension.
Lehren aus der Geschichte zu ziehen heißt, sich mit der Gegenwart auseinanderzusetzen!
Ein positives Zeichen hierfür wurde am 3. Oktober in Heidelberg gesetzt! Gemeinsam mit dem Oberbürgermeister und seinem Gemeinderat hat die Heidelberger Bevölkerung durch entschlossenes und friedliches Handeln für eine weltoffene und tolerante Stadt demonstriert und erfolgreich eine angekündigte NPD-Demo gestoppt.

Wir fordern aus historischer Verantwortung:

NIE WIEDER FASCHISMUS!
NIE WIEDER KRIEG!“

Aufruf der VVN Karlsruhe